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Wahrheit, Wettbewerb und Wohlstand 

Wie überlebt die Demokratie in digitalen Zeiten?
30.01.2019 | HWWI Standpunkt | von Henning Vöpel
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Prof. Dr. Henning Vöpel

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Eine neue Bedrohung lässt die Alarmglocken der Geheimdienste und Sicherheitsbehörden schrillen: Deep Fake. Technologisch wird der Unterschied zwischen Fake und Realität, Lüge und Wahrheit für uns nicht mehr unterscheidbar sein. Zudem erlangen internationale Datenkonzerne geradezu exekutive Gewalt, ohne dass sie von irgendeinem Parlament legitimiert wären. Algorithmen machen unser Leben zu einer Black Box. Die Manipulierbarkeit nimmt dramatisch zu, die Autonomie als Grundlage unserer Freiheit ist bedroht. Gleichzeitig nutzen Autokratien Daten und Technologien, um die geopolitische Neuordnung der Welt zu forcieren. Und der autokratische Staatskapitalismus scheint angesichts ihrer Geschwindigkeit und Rigorosität im Vorteil gegenüber gegen Demokratie und Marktwirtschaft. Die digitale Revolution entscheidet maßgeblich darüber, ob die Demokratie oder die Autokratie besser zum Datenkapitalismus passt. Es sei denn, die Demokratie reguliert den Datenkapitalismus, bevor dieser die Demokratie abschafft.

Charles Kindleberger hat einst beobachtet, dass im Übergang von der alten in eine neue Ordnung oftmals ein Vakuum an Regeln und Institutionen entsteht und dass in dieser Übergangszeit ein entsprechend erhöhtes Risiko für unkontrollierte Konflikte besteht, weil Vertrauen erodiert. Ohne jede Frage befinden wir uns derzeit wieder am Beginn eines solchen Übergangs. Mit der digitalen Revolution verändern sich die Grundlagen unserer Ordnung, Regeln und Institutionen. Mit den gleichzeitigen geopolitischen Verschiebungen verändern sich zugleich die Machtverhältnisse. Die geopolitische Neuordnung wird – gewissermaßen als historische Koinzidenz – geradezu durch die technologische Revolution entschieden, vor allem über die Nutzung von Daten und künstlicher Intelligenz. Womöglich sind Demokratien, die aus Prinzip langsamer sind als Autokratien, weil sie von der Freiheit und Würde des Individuums ausgehen, Interessen ausgleichen und Minderheit schützen, in diesem Wettlauf strukturell im Nachteil. Wie George Soros unlängst in Davos sagte, könne es sein, dass autokratische Staaten in Verbindung mit den Plattformmonopolen und der Fähigkeit, aus individuellen Daten kollektive Wertschöpfung zu ziehen, im Vorteil gegenüber Demokratien seien. Der Ökonom Xavier Sala-i-Martin sieht den Sieg von Demokratie und Marktwirtschaft gar als historische Ausnahme an. Der ökonomische Vorteil, den die Demokratie in der Industrialisierung hat, sinkt, weil die Beteiligung der Menschen an Gemeinwesen und Wertschöpfung nicht mehr nötig ist. Gleichzeitig steigen die ökonomischen Kosten der Demokratie, weil die Demokratie die Wertschöpfung aus individuellen Daten stärker beschränkt als Autokratien. Wenn es stimmt, dass der Datenkapitalismus besser zu Autokratien als zu Demokratien passt, dann ist mit der Demokratie auch die soziale Marktwirtschaft in Gefahr und mit ihr der Rechtstaat. Totalitäre Regime werden die neuen technologischen Möglichkeiten konsequenter nutzen können, ethische Grenzen weiter heruntersetzen.

Die digitale Ordnung der Demokratie muss sich vor diesem Hintergrund verändern, um wettbewerbs- und verteidigungsfähig zu bleiben. Die neue Ordnung muss zweierlei leisten: 1. Sie muss Wahrheit und Wettbewerb schützen, 2. Sie muss Wohlstand erzeugen und gerecht verteilen. Nur dann bleiben Demokratie und Marktwirtschaft gegenüber dem autokratischen Datenkapitalismus überlegen, indem sie für freie Individuen attraktiver bleiben. Es geht daher Ordnung vor allem und zuerst um den Schutz des Individuums und seiner Autonomie. Nur darauf aufbauend lassen sich Gesellschaft, Staat, Demokratie und Wettbewerb in der digitalen Ordnung sinnvoll erneuern.

Die fundamentalste Frage steht am Anfang: Wozu brauchen wir einen Staat, wenn der digitale Mensch nicht mehr als Gesellschaft existiert? Der digitale Datenaustausch konstituiert mittlerweile ebenso stark „gesellschaftliche“ Beziehungen wie das analoge Zusammenleben. Welche gemeinsamen Interessen verbinden Individuen heute noch zu Gesellschaften? Früher verbanden gemeinsame, vor allem territoriale Interessen Menschen zu Gesellschaften, heute sind es womöglich gemeinsame Dateninteressen. Die Gewährleistung von Schutz und Sicherheit gehörte zu den wichtigsten hoheitlichen Funktionen des territorialen Staates. Die Organisation von Gesellschaften in territorialen Nationalstaaten verliert in der digitalen Welt jedoch massiv an Bedeutung. Ohne sinnvolle Definition und Angrenzung von Gesellschaft wird auch Demokratie in Frage gestellt. Welche res publica, welcher common ground verbindet uns heute noch, was ist die gemeinsame Grundlage, das öffentliche Interesse, über das wir demokratisch befinden sollen?

Digitale Staaten bestehen heute ansatzweise in den globalen Datenplattformen, die eigene legislative und exekutive Gewalt haben und sich schon heute faktisch der Besteuerung entziehen können. Zugleich „unterwerfen“ sich Nutzer den Regeln von Datenplattformen. Der Anreiz, dies zu tun, wächst mit der Größe und dem Einfluss der Plattform. Der Zwang, ihr beizutreten, wird für den einzelnen Nutzer größer, während der ökonomische Wert der Daten dadurch zunimmt. Globale Datenmonopole sind daher eine Gefahr für Demokratie und Marktwirtschaft. Sie unterscheiden sich im Ergebnis nicht notwendig vom autokratischen Datenkapitalismus. Die wirtschaftliche und politische Freiheit des Individuums lässt sich aber nur in der gemeinsamen Ordnung von Demokratie und Marktwirtschaft sichern. Dazu gehört konstitutiv die Durchsetzung von Wettbewerb. Dieser darf in der digitalen Marktwirtschaft nicht über den exklusiven Zugriff auf Daten organisiert werden, sondern über die Transparenz und die Qualität von Algorithmen organisiert wird. Das macht erforderlich, private Daten zu schützen und kollektive Daten als öffentliches Gut zur Verfügung zu stellen. Nur so lassen sich die Datenmonopole brechen und ihr Vermögen, Individuen und Gesellschaften zu manipulieren, beschränken. Nur Wettbewerb gewährleistet Vielfalt, nur Wahlmöglichkeit sichert Autonomie. Transparenz allein reicht zum Schutz des Individuums jedoch nicht aus. Zugleich erfordern der Umgang mit Daten, Informationen und Quellen und deren Bewertung eine neue digitale Mündigkeit. Mündigkeit entsteht durch Bildung und den freien Zugang zu ihr. Diese wiederum sind wesentliche Bedingung für Teilhabe am Wohlstand.

Demokratie und Marktwirtschaft müssen zeigen, dass sie auch im digitalen Zeitalter einem autokratischen Staatskapitalismus überlegen sind. Dafür müssen sie jetzt die Voraussetzungen schaffen, indem sie die Autonomie des Individuums und den Wettbewerb in der digitalen Marktwirtschaft schützen, bevor es zu spät ist und der Datenkapitalismus die Demokratie abschafft. Der Schutz von Wahrheit, Wettbewerb und Wohlstand im digitalen Zeitalter werden zur Überlebensfrage von liberaler Demokratie und sozialer Marktwirtschaft.

Posted by Wilfried Allé Thursday, January 31, 2019 1:30:00 PM
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Hannes Androsch: Über Digitale Herausforderungen 

Hannes Androsch ist Industrieller und ehemaliger SPÖ-Finanzminister sowie Vizekanzler der Ära Kreisky.

Unter der österreichischen Ratspräsidentschaft muss diskutiert werden, was im digitalen Zeitalter Gegenstand der Besteuerung sein kann, um die öffentlichen Aufgaben erfüllen zu können.

Nach früheren Zeiten des Steuerwesens, in denen Naturalleistungen (Zehent) oder Arbeitsleistungen (Frondienste oder Sklavenarbeit) die Beiträge für öffentliche Einrichtungen, zu denen nicht zuletzt Religionsstätten gehörten, bildeten, waren Grund und Boden sowie menschliche Muskelleistung Hauptanknüpfungspunkt für Steuern. Im Industriezeitalter waren es dann das Sachkapital, die damit verbundenen Gewinne und Umsätze, vor allem aber auch die Einkommen, insbesondere Arbeitseinkommen. Nun stellt sich die Frage, was im digitalen Zeitalter Besteuerungsgegenstand sein kann, um die öffentlichen Aufgaben zu erfüllen.

In der Besteuerung digitaler Aktivitäten ist fürs Erste menschlicher Verstand gefragt, der die Möglichkeiten und Risiken der Digitalisierung richtig einschätzen kann.

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Posted by Wilfried Allé Monday, August 6, 2018 4:44:00 PM
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Amazon auf dem Weg zum Komplettanbieter 

veröffentlicht am 8. 3. 2018 von Andreas Hladky im Trend

Andreas Hladky, CEO point of origin
https://www.trend.at/wirtschaft/amazon-weg-komplettanbieter-9344194

© Reuters / Kacper Pempel

 

Gastbeitrag von Andreas Hladky, dem Chef des Beratungsunternehmens point of origin. Der US-Onlineriese Amazon zeigt, was Digitalisierung wirklich bedeutet.

Softwarekonzerne und Unternehmensberater machen derzeit gute Geschäfte in Österreich. Unter dem trendigen Thema der Digitalisierung wird jede Art von Programmierleistung als Digitalisierungsprojekt verkauft. Aus Formularen werden Apps, aus jahrelangen Gepflogen-heiten werden „agile Prozesse“, idealerweise mit einer Prise Blockchain oder artificial intelligence versüßt. Der Haken? Mit Digitalisierung haben diese Vorhaben wenig zu tun, sie werden österreichischen Unternehmen kaum dabei helfen, die wahren Herausforderungen des digitalen Zeitalters zu bewältigen.

Und die werden nun immer deutlicher sichtbar: Der Onlineriese Amazon steigt ins Bank-geschäft ein und möchte gemeinsam mit JP Morgan jungen Kunden spannende Kontoprodukte anbieten. Dieser Schritt ist bemerkenswert, weil Amazon damit in neue „verticals“ eintaucht, also neben seinem Kerngeschäft auch andere Lebensaspekte seiner Kunden serviciert.

Amazon hat fundamental verstanden, dass die Kundenbeziehung an sich der Schlüssel zum digitalen Erfolg ist: Das Unternehmen begann mit dem Versand von Büchern. Als Kunden Amazon in immer größerem Umfang zu vertrauen begannen, folgten weitere Waren. In der Zwischenzeit bemühte sich der Onlinegigant, die Kundenbeziehung so friktionsfrei wie möglich zu gestalten: Kostenlose Rückgabe, Zahlen auf Rechnung oder per Fingerabdruck, Vorbestellung mit Preisgarantie oder Auswahl des genauen Lieferzeitpunktes: Heute kein Problem bei Amazon, während andere Händler mit sechswöchigen Rücknahmefristen nerven oder den genauen Lieferzeitpunkt einer Ware nur als Zeithorizont zwischen jetzt und der Ewigkeit benennen können.

Radikale Kundenorientierung

Und nun folgen die „Zinsen“ dieser radikalen Kundenorientierung: Wer weiß, dass die Dinge bei Amazon klappen, wird immer weniger Hemmung haben, auch die Kreditkarte, das Bank-konto, die Versicherung oder sonstige Services von Amazon zu beziehen. Das Servicegeschäft ist somit der nächste große Wachstumsmarkt des Handelsriesen. Die Tatsache, dass mit eigener Banklizenz lästige Kreditkartengebühren wegfallen könnten, ist für Amazon vergleichsweise unbedeutend.

https://www.trend.at/_storage/asset/9345383/storage/vgnat:twocolumn_930:575/file/130471193/amazon-ceo-jeff-bezos-speaks-at-a-news-conference-during-the-launch-of-amazons-new-tablets-in-new-york.jpg

Amazon CEO Jeff Bezos ist mittlerweile einer der reichsten Männer der Welt, manchen Zählungen zufolge führt er dieses Ranking sogar an.
Sein Imperium hat inzwischen viele Ableger. Einige davon werden hier vorgestellt.                                          © Shannon Stapleton / Reuters
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Online geht offline. Zum Beispiel mit Amazon Books, einem Buchgeschäft in Seattle, mit Ware zum Anfassen.© Lucy Nicholson / Reuters
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Amazon Echo Dot und Alexa - Schnittstelle zwischen dem Unternehmen und dem Zuhause der Benutzer.        © Shannon Stapleton / Reuters
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Amazon Fashion, eine weniger bekannte Sub-Marke. Könnte das Geschäftmodell von Zalando (zer-)stören.   © Suzanne Plunkett / Reuters
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Mit den Fire-Smartphones und Tablets mischt Amazon auch im Mobilfunkgeschäft mit.                                      © JASON REDMOND / Reuters
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Der Amazon Fire Stick macht Fernseher mit HDMI-Anaschluss zu Smart-TVs mit Internetzugang, Apps - und natürlich
Amazon Prime Filmangebot. Auch mit Netflix gibt man sich brüderlich, die YouTube-App wurde jedoch wegen des schwelenden Konflikts
mit Google gekillt.                                                                                                                                                    © Beck Diefenbach / Reuters
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Amazon Fresh Pickup: Online bestellen und beim Supermarkt abholen.                                                  © JASON REDMOND / Reuters
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In einem der vielen Amazon-Logistikzentren. Hier wird rund um die Uhr gearbeitet.                                                © Lucas Jackson / Reuters
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Amazon Go Store in Seattle: Produkte einfach aus dem Regal nehmen, die Abrechnung erfolgt automatisch via Smartphone. © Lindsey Wasson / Reuters
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Sean McMullan, Director International Expansion von Amazon Music, dem Gegenentwurf zu Apples iTunes.                        © Francis Mascarenhas / Reuters
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Ein Jet von Prime Air, der eigenen Amazon-Transportflotte.                                                                                           © Mark Makela / Reuters
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Amazon Prime Now - Lieferservice in Singapur.                                                                                                       © Thomas White / Reuters
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Mit Amazon Web Services spielt Amazon weltweit im Orchester der Top Hosting- und Service-Provider mit.                         © Reuters Staff
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Die Amerikaner verstehen Digitalisierung ganz anders als Europäer. Die US Wirtschaft be-nötigt Wachstumsstories und diese fungieren als Treiber, immer neue Innovationen auf den Markt zu bringen. Während sich Unternehmen in Europa möglicherweise etwas zu lange auf ihrer Größe ausgeruht haben, ist solches Denken in den USA verpönt. Silicon Valley ist der auf Hochtouren laufende Innovationsmotor hinter der globalen Neuordnung von Marktanteilen quer über alle Branchen und bietet Unternehmen die Möglichkeit, die Zwänge des Anlegermarktes mit immer neuen Innovationen und Services zu beantworten.

Kontoeröffnung rund um die Uhr und per Gesichtserkennung, spannende Bündelungen des Kontos mit anderen Amazon Services: Jeff Bezos, seit kurzem laut Forbes reichster Mann der Welt, hat schon bei Amazon Prime vorgemacht, wie unterschiedliche Services (rasche Zustel-lung und Filmverleih) erfolgreich miteinander verknüpft werden.

Neben Amazon werden auch Apple, Google und Facebook nachgesagt, bald in neue Industrien einsteigen zu wollen. Und die müssen nicht digital sein: Amazon nimmt sich bereits den US Gesundheitsmarkt vor und hat mit der Übernahme des Biohändlers Wholefoods einen ersten Ableger in der realen Welt geschaffen. Amazon Go wiederum ist der vollautomatisierte Supermarkt in der realen Welt und seit kurzem in Seattle in Betrieb.

Kunden in den Mittelpunkt zu stellen war seit den 1930er Jahren ein selten verwirklichtes Mantra in so gut wie jeder Salespräsentation jedes Unternehmens der Welt. Am Ende denken jedoch so gut wie alle Firmen nur aus den eigenen Prozessen und Logiken heraus. Veränderungen, Kulturwandel und eben das Management positiver Kundenerfahrungen werden so zur fast unüberwindbaren Hürde. Amazon hingegen lebt die customer first Philosophie tatsächlich und wird damit noch gehörig Staub aufwirbeln.


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