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Krisenfest 

Wie wir unsere Wirtschaft verändern können, um unsere Zukunft zu sichern

von Sigrid Stagl, Patricia McAllister-Käfer

ISBN: 9783710609732
Sprache: Deutsch
Themen: Gesellschaft und Sozialwissenschaften
Gesellschaft und Kultur, allgemein
Erscheinungsdatum: 26.08.2026
Verlag: Brandstätter Verlag
Umfang: 208 Seiten
Format: Hardcover
Preis: € 25,00
Kurzbeschreibung des Verlags

Wie sichern wir unsere Zu­kunft in Zei­ten wach­sen­der Kri­sen? In ihrem hoch­aktuel­len Buch zeigt die re­nom­mierte Öko­no­min Sigrid Stagl, wie ein Wirt­schaf­ten aus­se­hen kann, das uns Sicher­heit gibt und zu­gleich unse­re na­tür­li­chen Le­bens­grund­la­gen er­hält. Da­bei ist es ent­schei­dend, das Fun­da­ment unse­res Wohl­stands zu stär­ken: Ener­gie, Ar­beit, Er­näh­rung, ge­sell­schaft­li­cher Zu­sam­men­halt und ver­ant­wor­tungs­vol­ler Um­gang mit dem, was uns trägt. An­hand vie­ler le­ben­dig er­zähl­ter Bei­spie­le aus Öster­reich macht sie sicht­bar, wo un­ser heu­ti­ges Sys­tem an Gren­zen stößt, und wo be­reits trag­fä­hi­ge Lö­sun­gen ent­ste­hen: regio­na­le Ar­beits­plät­ze, ver­läss­li­che Ener­gie­ver­sor­gung, hoch­wer­ti­ge Lebens­mit­tel, sta­bi­le Ge­mein­schaf­ten, zu­kunfts­fä­hi­ge Ge­mein­den. Da­bei wird deut­lich, dass der Schutz von Um­welt und Res­sour­cen keine Fleiß­auf­gabe ist, son­dern inte­gra­ler Be­stand­teil wirt­schaft­li­cher Vor­sor­ge und klu­ger Stand­ort­poli­tik. Stagl ar­gu­men­tiert ru­hig, klar und er­mu­ti­gend: Ein lang­fris­tig aus­ge­rich­te­tes Wirt­schafts­sys­tem er­wei­tert unse­ren Hand­lungs­spiel­raum für Poli­tik, Unter­neh­men und Ge­sell­schaft. Ein Buch für alle, die ihr Land er­hal­ten wol­len – und ver­ste­hen, dass Zu­kunfts­si­che­rung Ver­än­de­rung braucht.

FALTER-Rezension

"Das Ziel wäre, mich selbst ab­zu­schaf­fen"
Katharina Kropshofer in FALTER 36/2026 vom 02.09.2026 (S. 42)
Nur weil etwas grün ist, tut es nicht auto­ma­tisch der Natur gut. Die­se Er­kennt­nis hat­te Sigrid Stagl früh. Sie wuchs auf einem Bauern­hof im Wald­vier­tel auf, half gerne bei der Erd­äpfel­ernte. Ihr Va­ter, kon­ven­tio­nel­ler Bauer und als Boku-Ab­sol­vent inter­es­siert an neuen Sor­ten, hat­te stets For­scher­kol­le­gen auf dem Hof. Als die acht­jäh­rige Stagl mit ei­nem von ih­nen bei der Jau­se am Feld saß, schüt­tel­te die­ser den Kopf und er­klär­te, dass die Fich­ten-Mono­kul­turen in der Um­ge­bung öko­lo­gisch nicht sehr wert­voll seien.
Es stellte Stagls Iden­ti­tät in­frage - und bil­de­te die Ba­sis ihrer Kar­riere als ers­te Pro­fes­so­rin für Öko­lo­gi­sche Öko­no­mie. Sie ist auch be­son­ders ge­fragt, wenn es um die Be­wer­tung der Re­gie­rungs­ar­beit geht. Nun hat Stagl ihr ers­tes Buch ge­schrie­ben. Und wie­der eini­ge Vor­schläge parat.

Falter: Frau Stagl, ver­gan­ge­ne Wo­che hat sich die Koa­li­tion auf ein lang aus­stän­di­ges Klima­ge­setz ge­ei­nigt. Wie be­wer­ten Sie den Ent­wurf?

Sigrid Stagl: Öster­reich hat seit 2020 keine ver­bind­li­chen Re­duk­tions­ziele. 2025 sind die Emis­sio­nen wie­der ge­stie­gen. Wir wis­sen also, was bei einer Klima­poli­tik ohne Rah­men pas­siert. Dass jede Maß­nahme im Klima­fahr­plan des Klima­ge­set­zes mit einer Schät­zung der Emis­sio­nen unter­legt wer­den soll, ist gut. Aber die EU schreibt ein Mi­nus von 48 Pro­zent der Emis­sio­nen bis 2030 vor. Wir lie­gen schon heu­te deut­lich un­ter dem Ziel­pfad. Wenn der Klima­fahr­plan erst Ende 2027 kommt, feh­len wie­der zwei Jahre, in de­nen die Lücke wächst.

Die Regie­rung plant Kor­rek­tur­me­cha­nis­men statt Sank­tio­nen bei Über­schrei­tung des Ziel­pfads. Kann das funk­tio­nieren?

Stagl: Ein Korrek­tur­me­cha­nis­mus ist so­gar das bes­sere Ins­tru­ment, eine Stra­fe im Nach­hi­nein senkt kei­ne ein­zi­ge Ton­ne. Aber die Sank­tio­nen exis­tie­ren schon längst! Wenn wir unser EU-Ziel ver­feh­len, müs­sen wir bis zu 2,9 Mil­liar­den Euro Stra­fe zah­len. Ob die Bun­des­län­der da­für auch auf­kom­men, hal­te ich für die wich­tigs­te of­fene Fra­ge des Gesetzes.

Neben einem Klima­gesetz gibt es nun auch Dür­re­hil­fen. Sie be­schäf­ti­gen sich viel mit der Land­wirt­schaft und schrei­ben: Die Kos­ten von Le­bens­mit­teln ent­spre­chen oft nicht der Rea­li­tät. Inwiefern?

Stagl: Es geht hier nicht um den er­ho­be­nen Zeige­finger, son­dern um bes­sere Struk­tu­ren. Wenn man die Kos­ten für Men­schen und Na­tur mit­rech­net, passt das meis­tens nicht mit dem Preis zu­sam­men. Ein Apfel aus Chile ist oft güns­ti­ger als hei­mi­sche Alter­na­ti­ven. Auch dass Bio-Pro­dukte teu­rer sind als kon­ven­tio­nell pro­du­zier­te, zeigt, dass die Prei­se nicht die volks­wirt­schaft­li­chen Kos­ten re­flek­tie­ren. Denn ei­gent­lich müss­te es um­ge­kehrt sein.

Kann man Bio­di­ver­si­tät einen mone­tä­ren Wert geben?

Stagl: Wir öko­lo­gi­schen Öko­no­min­nen ver­wah­ren uns da­ge­gen, da­rauf einen Preis­sticker zu ge­ben - das wäre will­kür­lich. Wir brau­chen Maß­nah­men, die sicher­stel­len, dass die Ar­ten­viel­falt nicht ge­fähr­det wird. Nicht einen neuen Markt.

Die EU hat vor kurzem be­schlos­sen, dass Tier­be­stän­de nicht mehr schrump­fen dür­fen. Viele Land­wirte muss­ten aber ihre Tiere auf­grund der Trocken­heit schlachten.

Stagl: Tierische Pro­dukte ha­ben einen kul­tu­rel­len Wert. Das muss man an­er­ken­nen. Aber es gibt auch genug Evi­denz, dass so viel Fleisch zu es­sen nicht ge­sund ist. Zwei Drit­tel der Pro­te­ine soll­ten laut Er­näh­rungs­pyra­mide aus pflanz­li­chen Quel­len kom­men. Tieri­sche Pro­duk­tion er­for­dert außer­dem viel Ener­gie we­gen der gro­ßen Fut­ter­men­gen und hat grö­ße­re Um­welt­aus­wir­kun­gen. Trotz­dem flie­ßen 82 Pro­zent der EU-Gel­der der Ge­mein­sa­men Agrar­poli­tik in die Tier­pro­duk­tion, also Mil­liar­den an Euro. Das ver­zerrt das Bild.

Wie gewinnt man die Land­wirte für diese Trans­for­ma­tion?

Stagl: Ein Drittel der Treib­haus­gase kommt aus dem Er­näh­rungs­sys­tem. Wir kön­nen also nicht klima­neu­tral wer­den, ohne das Er­näh­rungs­sys­tem zu ver­än­dern. Gleich­zei­tig sind das un­sere Le­bens­grund­lagen. Ich habe den Ein­druck, Bauern füh­len sich von vie­len be­drängt, mit Re­geln über­frach­tet und zu ge­ring be­zahlt. Stall­an­la­gen sind oft mit Kre­di­ten finan­ziert, die lang­fris­tig ab­be­zahlt wer­den. Des­we­gen kön­nen wir nicht von heu­te auf mor­gen al­les um­stel­len. Aber jetzt den Bauern zu sig­na­li­sie­ren: "Der Tier­be­stand darf auf kei­nen Fall sin­ken, baut wei­ter Ställe aus, ver­schul­det euch" - das finde ich proble­ma­tisch.

Es gibt jetzt ein Klima­gesetz. Bei Klima­schutz­maß­nah­men hat die Re­gie­rung aber deut­lich ge­spart. Wie opti­mis­tisch sind Sie noch?

Stagl: Dieser Sommer zeigt, dass man­che Beo­bach­tun­gen selbst mit den pes­si­mis­tischs­ten Sze­na­rien nicht in Ein­klang zu brin­gen sind. Vor al­lem die Tempe­ra­tur der Welt­meere steigt schnel­ler und stär­ker als er­war­tet. Wie das auch Öster­reich tref­fen kann, zeigt der Sep­tem­ber 2024, als Ost­öster­reich unter Was­ser stand. Das warme Mit­tel­meer hat den ex­tre­men Re­gen be­güns­tigt und uns eine Mil­liarde ge­kos­tet. Auf der an­de­ren Seite se­hen wir, dass die Markt­reife man­cher Klima­tech­no­lo­gien viel schnel­ler war als er­war­tet. Die Kos­ten für Photo­vol­taik­an­lagen, Bat­te­rien oder E-Fahr­zeuge hät­te man vor fünf Jah­ren noch ganz anders ein­ge­schätzt.

Werden sich diese Techno­lo­gien von selbst durch­setzen?

Stagl: Die niedrigen Strom­kosten hel­fen bei der Klima­bilanz: Fos­sile Ener­gie­er­zeu­gung ren­tiert sich be­triebs­wirt­schaft­lich ein­fach nicht mehr. Es braucht aber nicht nur den nied­ri­gen Preis, es braucht auch die Wid­mung der Flä­chen und ge­sell­schaft­li­che Ak­zep­tanz. Selbst Do­nald Trump hat es bis­her nicht ge­schafft, Kohle­gru­ben of­fen zu hal­ten. Wind­pro­jek­te hat er hin­ge­gen ge­stoppt, in­dem er etwa die Be­trei­ber da­für be­zahlt. Um den Sieges­zug der Er­neuer­ba­ren zu brem­sen, muss man also aktiv da­ge­gen­arbeiten.

Österreich hat im Ver­gleich zu den USA kaum Gas oder Öl im Bo­den. Trotz­dem geht der Er­neuer­baren Aus­bau nur schlep­pend voran. Sie sind im Wald­vier­tel auf­ge­wach­sen. Ge­rade dort gibt es im­mer wie­der viel Pro­test ge­gen Wind­kraft­an­lagen. Was tun?

Stagl: Selbst wenn wir jetzt Erd­gas aus dem Bo­den hol­ten, wür­den sich die Fix­kos­ten erst nach Jahr­zehn­ten rech­nen - wo wir schon längst keine fos­si­le Ener­gie mehr nut­zen wol­len. Wir müs­sen er­neuer­ba­re Ener­gie­anla­gen dort posi­tio­nie­ren, wo sie die höchste Ak­zep­tanz ha­ben. Wir ken­nen das Er­folgs­re­zept aus der For­schung: Leute, die be­reits Wind­rä­der in ih­rem be­rühm­ten "Backyard" ha­ben, stö­ren neue An­lagen weni­ger. Auch junge Leute ha­ben weni­ger Prob­leme da­mit: Laut der Ö3-Jugend­um­frage sa­gen 83 Pro­zent der Jugend­li­chen, dass in ihrer Nähe ein Wind­rad auf­ge­stellt wer­den kann. Der drit­te Fak­tor ist direk­ter Pro­fit. Be­kommt eine Ge­mein­de etwa einen nied­ri­geren Strom­preis, hilft das bei der Ak­zep­tanz.

Wie kann die Regierung die Brems­klötze lösen?

Stagl: Die Regierung müsste sich kon­kret an­schauen: Wer sind die Ge­win­ner und wer sind die Ver­lie­rer? Und im nächs­ten Schritt: Wie kann man die Gewin­ner moti­vie­ren und wie die Ver­lie­rer kom­pen­sie­ren? Das sind Teile der Indus­trie, die momen­tan noch gut ver­dienen und hof­fen, dass es im­mer so weiter­geht wie bisher.

Sie meinen die Mobilitätsbranche?

Stagl: Wir haben nun 15 Jahre lang zu­ge­schaut, wie die deut­sche Auto­in­dus­trie am Ver­bren­nungs­mo­tor fest­hält, ob­wohl schon klar war: Eine Tech­no­lo­gie, die über­holt ist, kann man nicht ret­ten. Die ist nicht krisen­fest. Es bräuchte ei­nen früh­zei­ti­gen, kla­ren Über­gangs­pro­zess. Für gan­ze Be­triebe und Re­gi­onen, wie für die Kohle­indus­trie. Es gab in Öster­reich auch ein­mal wun­der­ba­re Füll­feder­pro­du­zen­ten. Aber wir sind in keine rie­si­ge Wirt­schafts­krise ge­schlit­tert, als es sie nicht mehr gab.

Die Autoindustrie ist aber doch größer als die Füll­feder­pro­duktion.

Stagl: Das stimmt, da geht es allein in Öster­reich um 80.000 Ar­beits­plätze. Als das Steyr-Werk 2021 über­nom­men wurde, soll­ten russi­sche Lkw mit Ver­bren­nungs­mo­toren her­ge­stellt wer­den. Ich dachte mir: "Echt jetzt? Die armen Arbeit­neh­mer!" Sie muss­ten wie­der einen neuen Pro­duk­tions­pro­zess ler­nen - der nicht nach­hal­tig ist. Wir müss­ten uns schon längst über­le­gen, wie wir das um­ge­stal­ten, wel­che Steu­ern es bräuchte, um das zu len­ken. Wie wir statt Ver­bren­nungs­mo­toren Auto­teile für die E-Mobi­li­tät oder Was­ser­stoff­pro­duk­tion zu­lie­fern können.

Gibt es ein konkretes Beispiel für ge­lun­ge­ne Trans­for­mation?

Stagl: Ich nenne immer gerne das Klima-Aus­bil­dungs­zentrum im nieder­öster­rei­chi­schen Sig­munds­her­berg. Ein Bäcker mit Staub­aller­gie kann dort zum Um­welt­tech­ni­ker um­lernen. In­klu­si­ve Kin­der­be­treu­ung und Wohn­mög­lich­kei­ten vor Ort. Es braucht aber nicht nur Inno­va­tion, son­dern auch "Ex­nova­tion". Bei den Berg­bauern ist das gut ge­lungen. Öster­reich hat nicht aus Über­zeu­gung 27 Pro­zent Bio-An­teil, son­dern we­gen der Geo­grafie. Der Staat hat früh er­kannt, dass am Berg keine indus­triel­le Be­wirt­schaf­tung mög­lich ist. Statt­des­sen wur­den die Berg­bauern finan­ziell unter­stützt und be­fähigt, ihre Pro­dukte an­ders zu ver­kaufen. Sie sa­gen heute: Unsere Kühe ste­hen auf der Alm, sind ge­sün­der, und die Milch hat so­mit eine an­de­re Quali­tät. Noch dazu sind Alm­wie­sen bio­di­ver­ser. Für mich heißt das: Wir soll­ten keine Cow­boys, son­dern Astro­nauten sein.

Was meinen Sie damit?

Stagl: Das geht zurück auf den Öko­no­men Kenneth Boul­ding. Cow­boys rei­ten al­lein durch die Prä­rie und schmei­ßen ihren Müll ein­fach weg. Bei den weni­gen Cow­boys, die es gab, war das nicht so wild. Aber es leben nun acht Mil­liar­den Men­schen auf der Erde. Wir soll­ten uns also ge­rade in Euro­pa wie Astro­nau­ten ver­hal­ten: Wir ha­ben selbst nicht viele Res­sour­cen, müs­sen eini­ges im­por­tie­ren. Umso wich­ti­ger sind die Spe­zia­li­sie­rung - das ma­chen wir schon recht gut - sowie Kreis­lauf­wirt­schaft. Neh­men wir die sel­te­nen Erden. Es macht kei­nen Sinn, die in Euro­pa ab­zu­bauen. Wir könn­ten aber die Ers­ten sein, die ler­nen, sie ordent­lich zu recyceln.

Sie waren vielfach die "Erste". Wie radi­kal ist es heute noch, Öko­lo­gie in Öko­no­mie mit­zu­denken?

Stagl: Bis vor sieben Jahren war es das. Da haben Nicholas Stern und Andrew Oswald - zwei Main­stream-Öko­no­men - in ei­nem News­letter der World Econo­mic Society einen Auf­ruf ver­öffent­licht: Wenn wir uns nicht so­fort um Um­welt-und Klima­fra­gen küm­mern, wer­den wir als Öko­no­men auf der fal­schen Seite der Ge­schichte ste­hen. Sie hat­ten die wich­tigs­ten Fach­zeit­schrif­ten analy­siert: Es gab mehr wirt­schaft­li­che Publi­ka­tio­nen zu Base­ball als zum Klima­wandel.

Das heißt, die Ökologische Ökono­mie ist im­mer noch eine Nischen­dis­zi­plin?

Stagl: Es wird besser. Wirt­schaft ba­siert im­mer auf bio­physi­ka­li­schen Grund­lagen. Die Aus­wir­kun­gen auf Um­welt und Ge­sell­schaft müss­ten also bei al­len Ar­beits­markt­analy­sen, indus­trie­poli­ti­schen Über­le­gun­gen, makro­öko­no­mi­schen Model­lie­rungen be­rück­sich­tigt werden.

Sie müssten sich also selbst ab­schaf­fen?

Stagl: Genau das wäre mein Ziel.

Posted by Wilfried Allé Wednesday, September 23, 2026 8:19:00 PM Categories: Gesellschaft und Kultur, allgemein Gesellschaft und Sozialwissenschaften
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Die offene Zukunft und ihre Feinde 

Wie wir die freie Gesellschaft vor der KI-Diktatur bewahren können

von Matthias Pfeffer, Jürgen Pfeffer, Paul Nemitz

ISBN: 9783801207144
Sprache: Deutsch
Themen: Informatik und Informationstechnologie
Soziale und ethische Aspekte
Erscheinungsdatum: 10.06.2026
Verlag: Verlag J.H.W. Dietz Nachf. GmbH
Umfang: 288 Seiten
Format: Taschenbuch
Preis: € 20,60
Kurzbeschreibung des Verlags

Künstliche Intelli­genz ver­än­dert unse­re Welt schnel­ler als jede Tech­no­lo­gie zu­vor. Sie ver­spricht Ef­fi­zienz, Wohl­stand und Fort­schritt – und be­droht zu­gleich Demo­kra­tie, Frei­heit und mensch­li­che Selbst­be­stim­mung. Wäh­rend Staa­ten und Tech-Kon­zer­ne um die Vor­herr­schaft im KI-Zeit­al­ter kämp­fen, wächst die Ge­fahr ei­ner neuen Form der Macht: ei­ner al­go­rith­misch ge­steu­er­ten Ge­sell­schaft, in der Ent­schei­dun­gen zu­neh­mend Ma­schi­nen und ihren Be­trei­bern über­las­sen wer­den. Mat­thias Pfef­fer, Jür­gen Pfef­fer und Paul Ne­mitz analy­sie­ren die poli­ti­schen, tech­no­lo­gi­schen und phi­lo­so­phischen Grund­la­gen die­ser Ent­wick­lung. Sie zei­gen, wa­rum die Vor­stel­lung ei­ner be­re­chen­ba­ren Zu­kunft eine ge­fähr­li­che Il­lu­sion ist, wie Big Tech und auto­ri­täre Kräf­te ge­mein­sam demo­kra­ti­sche Struk­tu­ren un­ter­gra­ben – und wes­halb die of­fene Ge­sell­schaft nur be­ste­hen kann, wenn KI demo­kra­tisch kon­trol­liert wird. Ein lei­den­schaft­li­ches Plä­do­yer für Men­schen­würde, Frei­heit und poli­ti­sche Ver­ant­wor­tung im Zeit­al­ter der Künst­li­chen Intel­li­genz – und ein Auf­ruf, die Zu­kunft nicht den Ma­schi­nen zu über­las­sen, son­dern sie ak­tiv zu ge­stal­ten. Da­zu ma­chen die Auto­ren kon­kre­te Hand­lungs­vor­schläge.

Posted by Wilfried Allé Wednesday, September 9, 2026 8:18:00 PM Categories: Informatik und Informationstechnologie Soziale und ethische Themen
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Intellektuelle Rechtsextremisten 

Das Gefahrenpotenzial der Neuen Rechten

von Armin Pfahl-Traughber

ISBN: 9783801206307
Sprache: Deutsch
Themen: Politik und Staat
Nationalismus
Erscheinungsdatum: 11.07.2022
Verlag: Verlag J.H.W. Dietz Nachf. GmbH
Umfang: 184 Seiten
Format: Taschenbuch
Preis: € 18,50
Kurzbeschreibung des Verlags

Der Begriff "Neue Rechte" bezeichnet einen intellektuellen Rechtsextremismus. Seine Akteure verstehen sich als ideologische Wegbereiter eines gesellschaftlichen Rechtsrucks, der autoritär-nationalistische Vorstellungen in reale Politik umsetzen will. Der Extremismus-Experte Armin Pfahl-Traughber zeigt, wie die Neue Rechte systematisch demokratische Auffassungen delegitimiert, um die geistigen Voraussetzungen für einen politischen Wechsel herbeizuführen. Er analysiert ihr Gefahrenpotenzial, geistige Vorbilder, ideologische Grundpositionen, einschlägige Publikationsorgane, Netzwerke und Strategien.

Posted by Wilfried Allé Wednesday, September 2, 2026 11:06:00 AM Categories: Nationalismus Politik und Staat
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Nelka 

Roman - Welche Spuren die gewaltvolle Geschichte des 20. Jahrhunderts und Zwangsarbeit hinterlassen haben, ...

von Svenja Leiber

ISBN: 9783518432761
Sprache: Deutsch
Themen: Belletristik
Historischer Roman
Erscheinungsdatum: 18.02.2026
Verlag: Suhrkamp
Umfang: 204 Seiten
Format: Hardcover
Preis: € 24,70
Kurzbeschreibung des Verlags

Lemberg, 1941. Die sech­zehn­jäh­rige Nelka wird von Sol­da­ten auf­ge­grif­fen und mit zahl­rei­chen Mäd­chen und Frauen nach Wes­ten ver­schleppt. Auf einem nord­deut­schen Guts­hof wer­den sie zu schwe­rer Ar­beit ge­zwun­gen. Ihr Va­ter hat­te Nelka früh im Obst­bau unter­rich­tet, und schon als Kind hat­te sie ihm beim Ver­edeln der Apfel­bäu­me ge­hol­fen. Dank die­ses Wis­sens kann sie sich an­fäng­lich der Zu­dring­lich­keit des Guts­ver­wal­ters er­weh­ren. Sie plant den Apfel­an­bau für ihn, und die Plan­ta­gen be­sche­ren ihm nach dem Krieg ein Ver­mö­gen. Jahr­zehnte spä­ter kehrt Nelka an den Ort ihres Lei­dens zu­rück. Sie will, dass Mar­ten sich an das er­innert, wo­von sie selbst sich end­lich be­freien muss.

Welche Spuren die gewalt­vol­le Ge­schichte des 20. Jahr­hun­derts und Zwangs­ar­beit hin­ter­las­sen ha­ben, bis in die Ge­gen­wart und Land­schaf­ten hi­nein, das macht Svenja Leiber in ihrem neuen Roman sich­tbar. Sie er­zählt von Frauen, deren Wis­sen und Kör­per aus­ge­beu­tet wur­den, die sich in Freund­schaft ver­ban­den und sich so ge­gen Er­nied­ri­gung und Bru­ta­li­tät stemm­ten. Nelka be­leuch­tet ihre Schick­sale hell­wach und sen­si­bel – und be­wahrt die Er­inne­rung an sie.

FALTER-Rezension

Die verlorene Unschuld der Apfelbäume

Julia Kospach in FALTER 12/2026 vom 18.03.2026 (S. 16)

Über alles wächst irgend­wann irgend­was, Haut, Gras, Nar­ben, Rinde“, denkt der alt ge­wor­dene Mar­ten Wil­helm­sen, um sich zu be­ruhi­gen. Den nord­deut­schen Apfel­plan­ta­gen­be­sit­zer hat ein Brief er­reicht, der ihn wie „et­was sehr Dump­fes und Dunk­les über­kommt“. Er ent­hält keine Dro­hungen oder For­de­run­gen wie die Briefe, die seit eini­gen Jah­ren auch bei an­de­ren Be­woh­nern der Ge­gend ein­tref­fen, son­dern die An­kün­di­gung eines Be­suchs. „Nicht dass er nie mehr an sie ge­dacht hät­te, aber wenn, dann in dem Ver­such, eben nicht an sie zu den­ken. Über Jahre war ihm das auch ge­lungen.“

Diese Szene bildet den Auf­takt zu Svenja Leibers neuem, sechs­tem Roman „Nelka“. Er er­zählt eine fik­tive Ge­schichte, ist je­doch ins­pi­riert vom rea­len Brief einer ehe­ma­li­gen ukrai­ni­schen Zwangs­ar­bei­te­rin, die als Mäd­chen in das schles­wig-hol­stei­ni­sche Her­kunfts­dorf der Auto­rin ver­schleppt wor­den war – wie diese im Nach­wort schreibt.

Es ist ein Schicksal, das rund 20 Mil­lio­nen Men­schen vor al­lem aus der Ukra­ine und Po­len er­eilte, die wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs in Nazi-Deutsch­land Zwangs­ar­beit leis­ten muss­ten. Auch Leibers Titel­hel­din, die 16-jäh­rige Nelka, wird im Som­mer 1941 aus ihrem Lem­ber­ger Le­ben ge­ris­sen, in einen Zug ge­pfercht und steht bald da­rauf in einer lan­gen Reihe, an der Bauern, Grund­be­sit­zer, Ver­wal­ter und Fabri­kan­ten ent­lang­schrei­ten, die „Ge­bis­se und Hän­de“ der Ver­schlepp­ten ta­xie­ren und sich Ar­beits­skla­vin­nen aus­wählen.

Nelka und einige Leidens­genos­sin­nen lan­den auf dem von Marten ver­wal­te­ten Gut. Er holt sie – ein fürch­ter­li­ches Pri­vi­leg – von der Feld­ar­beit ins Haus und beu­tet sie über Jahre in mehr­facher Hin­sicht aus. Zum ei­nen stellt Nelkas Wis­sen über den Obst­bau, das sie von ihrem er­mor­de­ten Va­ter hat, die Vor­aus­set­zung für Martens Nach­kriegs­wohl­stand dar; zum an­de­ren wird ihr Kör­per zur Kampf­zone: Der deut­sche Her­ren­mensch be­gehrt ihn und fürch­tet zu­gleich, sich zu be­su­deln. Es ist ein Teufels­tanz zwi­schen All- und Ohn­macht, der in sei­ner schwe­len­den, all­ge­gen­wär­ti­gen Be­dro­hung für die Pro­ta­go­nis­tin von der Auto­rin gran­dios ins­ze­niert wird.

Leiber erzählt in Rück­blicken, die Marten und Nelka um­trei­ben, wäh­rend sie ein­an­der in der Rah­men­hand­lung des Ro­mans nach Jahr­zehn­ten für ei­nen Abend wie­der­be­geg­nen. Das Er­lit­tene hat Nelka, in­zwi­schen Groß­mut­ter und in ihren Sech­zi­gern, „für immer er­schöpft“. Nun soll Marten an das er­in­nert wer­den, was sie end­lich ab­schüt­teln möchte.

Das Wieder­sehen mit ihrem ehe­ma­li­gen Pei­ni­ger ist weni­ger Ab­rech­nung als wort­kar­ges Kam­mer­spiel. Die eigent­li­che Hand­lung voll­zieht sich in den Köp­fen der bei­den, die nach dem ge­mein­sa­men Abend­es­sen schlaf­los in ihren Bet­ten lie­gen. Ihr Le­ben zieht in Ge­dan­ken an Nelka vor­über, wäh­rend Marten seine Auf­ge­wühlt­heit hin­ter der typi­schen Selbst­recht­fer­ti­gungs­rhe­to­rik ei­nes nie be­straf­ten NS-Tä­ters und Profi­teurs zu ver­ber­gen trachtet.

In ruhigen, knap­pen Sät­zen, die die vie­len Zwi­schen­töne umso kla­rer klin­gen las­sen, er­zählt Svenja Leiber in „Nelka“ ihre tief­trau­ri­ge Ge­schichte ei­ner stil­len, wider­stän­di­gen Über­le­ben­den. Zu­gleich spie­gelt sich in die­ser das ge­samte his­to­ri­sche Un­recht von Zwangs­ver­schlep­pung, Ge­walt, Miss­brauch und Ab­hän­gig­keit, die ihre Spu­ren nicht nur in Kör­pern, Frauen­kör­pern zu­mal, hin­ter­las­sen ha­ben, son­dern eben­so in der Land­schaft, die bis in die Ge­gen­wart sicht­bar von den Hän­den der Ver­sklav­ten mit­ge­stal­tet wurde.

In „Nelka“ sind es die Obst­bäume, die, vor Jahr­zehn­ten ge­setzt, im­mer noch für die Sicht­bar­keit der Ver­gan­gen­heit sor­gen. Auch Nelka selbst er­in­nert sich an das, was ihr ihr Vater einst über das Auf­zie­hen jun­ger Apfel­bäu­men bei­ge­bracht hat: „Es sei wie bei den Men­schen, man müs­se sie leh­ren, so zu wach­sen, dass ihnen größere Last leich­ter werde.“ In man­chen Mo­men­ten ist die­ser Ge­dan­ke der jun­gen Zwangs­ar­bei­te­rin eine Stütze.

Posted by Wilfried Allé Saturday, August 15, 2026 10:20:00 PM Categories: Belletristik/Hauptwerk vor 1945 Historischer Roman
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Links, rechts, islamistisch 

Die wahren Feinde der Demokratie

von Susanne Schröter

ISBN: 9783451036712
Sprache: Deutsch
Themen: Gesellschaft und Sozialwissenschaften
Gesellschaft und Kultur, allgemein
Gesellschaftliche Gruppen, Gemeinschaften und Identitäten
Erscheinungsdatum: 19.05.2026
Verlag: Verlag Herder
Umfang: 240 Seiten
Format: Taschenbuch
Preis: € 22,70

Kurzbeschreibung des Verlags

Um die Demo­kra­tie ist es schlecht be­stellt. Nicht nur glo­bal, auch in Deutsch­land. Eine auto­ri­tär auf­tre­tende Linke ver­spielt die Er­run­gen­schaf­ten, die sie selbst er­kämpft hat; eine auto­ri­täre Rechte möchte eine zwei­fel­haf­te Ver­gan­gen­heit wie­der­auf­le­ben las­sen. Und bei­de Grup­pie­run­gen schlie­ßen Alli­an­zen mit ei­nem er­star­ken­den Is­la­mis­mus, der von Pa­ral­lel­ge­sell­schaf­ten he­raus in Schu­len und Uni­ver­si­tä­ten vor­dringt. Die in­nere Zer­reiß­probe un­se­rer Ge­sell­schaft fin­det vor dem Hin­ter­grund sich dra­ma­tisch ver­schie­ben­der glo­ba­ler Macht­ver­hält­nis­se statt, die uns in un­ge­ahn­tem Maß heraus­for­dern. Die wich­tigste Fra­ge der Ge­gen­wart ist, wie sich Frei­heit und Demo­kra­tie in die­ser exis­ten­ziel­len Kri­se be­wah­ren las­sen. Das neue Buch von Su­sanne Schrö­ter gibt Ant­worten.

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Unter Tieren 

Das neue literarische Meisterwerk der Nobelpreisträgerin für Literatur

von Elfriede Jelinek

ISBN: 9783462014228
Sprache: Deutsch
Themen: Belletristik
Allgemein und literarisch
Sammlung: Romane für den Sommer
Erscheinungsdatum: 19.06.2026
Verlag: Rowohlt
Umfang: 224 Seiten
Format: Hardcover
Preis: € 24,70

Kurzbeschreibung des Verlags

Die Wege des Geldes sind uner­gründ­lich. Trotz­dem be­stimmt es unser Le­ben, also ver­folgt Elfriede Jeli­nek hart­näckig seine Spur. Von der Bibel bis zu René Benko, von blan­ker Gier bis zu raf­fi­niert ge­tarn­ter Kor­rup­tion, von Klas­sen­kampf bis zu blu­ti­gen und kost­spie­li­gen Krie­gen reicht die ewig wäh­rende Ge­schichte, die Jeli­nek dies­mal je­doch ganz aus der Sicht von Tie­ren er­zählt. Im­mer ver­ständ­nis­lo­ser, da­für mit wach­sen­dem Sar­kas­mus be­trach­ten Kühe, Schweine, Tau­ben, das Lamm Got­tes oder auch der «Für und Widder» uns Men­schen da­bei, wie wir kon­se­quent an unse­rem selbst ver­schul­de­ten Un­glück ar­beiten – und am Ende un­ge­bremst und fröh­lich in die Apo­ka­lypse des Kapi­ta­lis­mus rasen. Denn klar ist in Unter Tieren : Die Welt ist aus den Fu­gen, und der Finanz­markt wird es wohl nicht richten.

«Elfriede Jelineks virtuose Radikalität wirft ein Licht auf Schattenzonen unserer Zeit, das gleißender nicht sein könnte.» Neue Zürcher Zeitung

FALTER-Rezension

Tanz den René Benko!

Klaus Nüchtern in FALTER 25/2026 vom 17.06.2026 (S. 28)

Die Viecher sind gut drauf. Jeden­falls auf dem Cover von Elfriede Jeli­neks ak­tuel­lem Opus "Unter Tieren". Hase, Affe, Kuh &Co legen eine flotte Sohle aufs Parkett.

Sie sind freilich gar nicht echt, son­dern aus Plüsch, und wer mit dem Œuvre der Lite­ra­tur­nobel­preis­trä­ge­rin von 2004 nur eini­ger­maßen ver­traut ist, wird ahnen, dass der Schein der Gaudi trügt.

Und just so verhält es sich auch. Im Text selbst, der übri­gens keine Genre­be­zeich­nung trägt, wer­den die letz­ten Dinge ver­han­delt: Wo­her kom­men wir? Wer sind wir? Wo­hin gehen wir? Oder um es mit dem mone­tä­ren Twist aus­zu­drücken, der die meis­ten die­ser zwi­schen Exis­tenz­philo­so­phie und Geld­theo­rie chan­gie­renden Re­flexi­onen aus­zeich­net: "Wo­her kommt das Geld, wo­hin geht es, was ist es, wa­rum ist es was und wa­rum so wenig?"

Haben sich viele Linke zuletzt iden­ti­täts­poli­ti­schen Frage­stel­lun­gen zu­ge­wandt, in deren Mit­tel­punkt die Kate­go­rien race, gender und -deut­lich sel­te­ner -class ste­hen, so bleibt die noto­risch pes­si­mis­ti­sche Femi­nis­tin Jeli­nek hart­näckig beim gu­ten al­ten "It's the eco­no­my, stupid!". Sie inter­es­siert sich weni­ger für kulturelle als für finanzielle Appropriation; und wie schon in ihrer Wirtschaftskomödie "Die Kontrakte des Kaufmanns" (2009) ist die im typischen Jelinek-Sound vor­ge­tra­gene Suada mit zahl­rei­chen Rea­lien ge­spickt, die als "Fall" und "Skan­dal" vor nicht all­zu lan­ger Zeit durch die Me­dien ge­rauscht sind.

Eine Figur wie Thomas Schmid, einst Allein­vor­stand der Staats­hol­ding ÖBAG sowie Hand­langer von Bun­des­kanz­ler Sebas­tian Kurz und mittler­weile Kron­zeuge in der so­ge­nann­ten Casinos-Affäre, wer­den die meis­ten noch ken­nen. Nament­lich nicht ge­nannt fin­det er sich - weil die Leute im­mer "so viel in ihre di­ver­sen Klein­ge­räte schrei­ben müs­sen" - mit einer Ab­wand­lung sei­nes be­rühm­tes­ten "Sa­gers" ver­tre­ten, der hier einer Stock­ente in den Schna­bel ge­legt wird: "Ver­steht ihr nicht, ich habe doch vor­hin schon ge­sagt: Diese Christl-Par­tei ist die Hure der Rei­chen?"

Ein Dachböden aus­bauen­der Schul­ab­bre­cher ist un­schwer als der Inves­tor und Kon­kurs­kai­ser René Benko zu identi­fi­zieren, Helga K. schon nicht mehr ganz so leicht als jene Finanz­beam­tin, die dem "Sigi", also dem Mana­ger Sieg­fried Wolf, zu einer sat­ten Steuer­er­leich­te­rung hät­te ver­hel­fen sollen.

Es wäre freilich nicht Jelinek, hätte es mit diesen tages­poli­ti­schen Be­zü­gen sein Be­wen­den. Ab­seits da­von geht ein wah­rer Platz­re­gen an An­spie­lun­gen, Asso­zia­tio­nen und Refe­ren­zen her­nieder: von der anti­ken Mytho­lo­gie -wer war schnell noch einmal Epaphos? - über Parmeni­des, Pla­ton und Marx (sowohl Karl als auch Groucho) bis hin zu dem im An­hang be­dank­ten Wirts­chafts­sozio­lo­gen Aaron Sahr.

Der hat sich in seinen Büchern mit digi­ta­lem Geld und dem mys­teri­ösen We­sen des Kre­dits be­fasst, von dem sich auch die Auto­rin fas­zi­niert zeigt -mit den Wor­ten eines Fuchses und in alter s-Schrei­bung: "Sie glau­ben doch nicht, daß Eigen­tum als Sicher­heit für ei­nen Kredit nö­tig ist? Es ist keines­falls die Be­din­gung da­für, höchs­tens ein Mit­tel zu sei­ner Aus­hand­lung. [] Sie kön­nen den Roh­bau Ihres Häus­chens also gleich weg­schmeißen, die Bank braucht ihn nicht, nie­mand braucht das, was schon da ist."

"Sie werden lachen, die Bibel!", hat Bert Brecht einst die Frage nach sei­ner Lieb­lings­lek­türe be­ant­wor­tet. Man ist ge­neigt, Elfriede Jeli­nek ein ähn­li­ches Faible zu unter­stel­len. "Ich bin ge­spannt, werde es aber lei­der nicht ab­war­ten kön­nen, daß ich eine christ­li­che Schrift­stel­lerin werde", be­teu­ert sie nicht un­ko­kett in ihrem jüngs­ten Opus hin­ter der Maske eines Esels. Ihre Ver­wurze­lung im Kos­mos der christ­li­chen Ideen­welt und Mytho­lo­gie be­le­gen allein schon ihre drei von sie­ben Tod­sün­den ge­wid­me­ten Romane "Lust"(1989),"Gier"(2000) und - nur online ver­öffent­licht -"Neid" (2008); und im Inter­view mit dem Fal­ter, das an­läss­lich der Ur­auf­füh­rung ihres Stückes "Das Werk" im April 2003 ge­führt wur­de, ge­stand sie: "Ja, ich bin ein klei­nes ba­rockes Rache­engerl."

Der Verweis auf den Barock ist gleich mehr­fach trif­tig. Mit dem Sprach­furor ei­nes Buß­predi­gers eben­jener Epo­che liest Jeli­nek gleich der gan­zen Gat­tung Mensch die Levi­ten, pre­digt die­ser, dass alles irdi­sche Stre­­ben, erst recht jenes nach dem Mammon ei­tel und alles Fleisch wie Gras ist: "Dann das liebe Geld. Tod und Geld, sie sind Ge­schwis­ter, und sie haben Arsch­ge­sich­ter." Abra­ham a Sancta Clara hät­te es nicht bün­di­ger sa­gen können.

Posted by Wilfried Allé Thursday, June 18, 2026 10:02:00 AM Categories: Allgemein und literarisch Belletristik/Essays
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Kick it! 

Das große SPIEGEL-Fußball-Buch | Wissenswertes und Quizfragen zur WM 2026

von Marco Fuchs

ISBN: 9783462014228
Sprache: Englisch
Themen: Sport & Freizeit
Umwelt
Ballsportarten/Ballspiele
Football, Fußballvarianten und verwandte Spiele
Fußball
Erscheinungsdatum: 07.05.2026
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Umfang: 144 Seiten
Format: Taschenbuch
Preis: € 10,30

Kurzbeschreibung des Verlags

Das Buch, das zum WM-Start in jedem Haus­halt auf dem Fern­seh­tisch lie­gen muss! Marco Fuchs, Quiz- und Anek­doten­spezia­list des SPIEGEL, stimmt uns auf das Fuß­ball­fest ein und lie­fert Mate­rial für den Small Talk in der Halb­zeit­pause und die düs­te­ren spiel­freien Tage.

»Kick it!« enthält das ganze nützliche und un­nütze Wis­sen zum Tur­nier der Super­la­tive: Welche legen­dä­ren Re­korde könnten ge­knackt wer­den, wel­che Premi­eren er­warten uns und wel­che un­glaub­li­chen Serien wer­den fort­ge­schrieben?

Dazu gibt es Quizfragen für zwischen­durch, Listen, Fak­ten und die eine oder andere Ge­schichte von der schöns­ten und span­nends­ten Neben­sache der Welt.

Posted by Wilfried Allé Tuesday, June 16, 2026 1:22:00 AM Categories: Ballsportarten/Ballspiele Football, Fußballvarianten und verwandte Spiel Fußball Sport & Freizeit
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Here Comes the Sun 

A Last Chance for the Climate and a Fresh Chance for Civilization

von Bill McKibben

ISBN: 9781324106234
Sprache: Englisch
Themen: Geowissenschaften, Geographie, Umwelt, Planung
Umwelt
Umweltgefahren
Klimawandel
Erscheinungsdatum: 19.08.2025
Verlag: Norton & Company
Umfang: 212 Seiten
Format: Hardcover
Preis: € 31,10

Kurzbeschreibung des Verlags

Every eighteen hours, the world puts up a nuclear power plant's-worth of solar panels. At the same time, com­bus­tion con­ti­nues to melt the poles, poi­son our bo­dies and drive glo­bal in­equa­lity. It is no lon­ger neces­sary: For the first time in 700,000 years, we know how to catch the sun's rays and con­vert them into energy.In Here Comes the Sun, Bill Mc­Kibben tells the story of the spike in power from the sun and wind. Mc­Kibben tra­ces the arri­val of plenti­ful, inex­pen­sive solar ener­gy, which, if it accele­rates, gives us a chance not just to limit cli­mate change's dama­ge but to reor­der the world. Get­ting there means over­coming ob­stacles like Big Oil, but Mc­Kibben sees a chance for a new civi­li­sation that looks to the sun as the star that fuels our world.

FALTER-Rezension

"Klimaaktivisten waren lange Spaßbremsen"

Katharina Kropshofer in FALTER 24/2026 vom 10.06.2026 (S. )

Bill McKibben ist sich sicher: Wir stehen gerade an einem Kipp­punkt. Doch er meint das nicht un­be­dingt nega­tiv. Lange hatte der 65-Jäh­rige vor dem Klima­wan­del ge­warnt, mit "Das Ende der Natur" lie­fer­te er 1989 das erste populär­wis­sen­schaft­liche Buch über die Erd­er­hit­zung. Er grün­dete die Or­gani­sa­tion 350.org, or­ga­ni­siert Klima­pro­teste für alle Alters­grup­pen, gilt als einer der wich­tigs­ten Be­rater des Ver­monter Sena­tors und ehe­ma­li­gen demo­kra­ti­schen Prävsi­dent­schafts­kandi­daten Bernie San­ders und prägte den Beg­riff "Divest­ment", also "Des­inves­ti­tion". Re­gie­run­gen, Unter­neh­men oder Uni­ver­si­tä­ten stecken ihr Geld oft in Fonds, die fos­sile Ener­gie för­dern. Mc­Kibben brachte bis ins Jahr 2024 mehr als 1600 Or­gani­sa­tio­nen da­zu, ihre fos­si­len Ver­an­la­gun­gen auf­zu­geben. Dem Öl­ge­schäft fehl­ten da­durch 40 Tril­lio­nen US-Dollar.
Nun, 50 Jahre nach dem Beginn seiner Akti­vi­tä­ten, hat er sicht­lich gute Laune. Nicht nur, weil es dem amtie­ren­den Präsi­den­ten Donald Trump bei den im Herbst an­ste­hen­den Mid­terms an den Kra­gen ge­hen könnte (sein Krieg ge­gen den Iran ist nicht son­der­lich popu­lär), son­dern weil er ge­rade den Be­ginn einer klei­nen Revo­lu­tion wahr­nimmt. Zu tun hat das mit dem "guten Wet­ter", der Sonne, die an die­sem Mai­tag über sei­nem Haus in Vermont scheint.

Falter: Herr McKibben, was macht Solar­strom so über­zeugend -auch im Ver­gleich zu an­de­ren er­neuer­baren Quellen?

Bill McKibben: Ein simpler Grund: Son­nen­ener­gie ist bil­lig. Für Geo­ther­mie muss man etwa tief gra­ben, viele Schächte und Lei­tun­gen bauen. Das dauert. China hat ver­gan­ge­nen Früh­ling drei Giga­watt an Solar­ener­gie ge­baut - pro Tag. Das ent­spricht der Ener­gie eines gan­zen Kohle­kraft­werks. Und Solar­ener­gie ist furcht­bar sim­pel: Alles, was sie braucht, ist ein rudi­men­tä­res Stahl­ge­rüst und ein Stück Glas. Im Mo­ment ver­dop­peln wir die An­zahl der Solar­an­lagen welt­weit alle 18 Monate. Da­bei sinkt der Preis je­des Mal um ein Vier­tel. Auch Atom­kraft kann da preis­lich nicht mit­halten.

Vor rund einem Monat ging die Santa-Marta-Kon­fe­renz in Kolum­bien zu Ende. 57 ambi­tio­nier­te Staa­ten kamen zu­sam­men, um den Ab­schied von fos­si­len Brenn­stof­fen zu be­schleu­ni­gen. Die USA wur­den gar nicht erst ein­ge­laden. Gibt es Klima­schutz ohne den his­to­risch größ­ten Ver­schmutzer?

Bill McKibben: Die USA sind weiter­hin für elf Pro­zent der glo­ba­len Emis­sio­nen ver­ant­wort­lich - das ist viel. Außer­dem ex­por­tiert das Land nicht nur mas­sen­haft Öl, son­dern auch die wahn­sin­ni­gen Ideen und Klima­lü­gen unse­res Präsi­den­ten. Aber Fort­schritt ohne die USA ist na­tür­lich mög­lich. Donald Trump ist nicht Jesus.

Man könnte Trump auch "danken". Mit dem An­griff auf den Iran und den da­raus re­sul­tie­ren­den ho­hen Öl­prei­sen wurde der Aus­bau Er­neuer­ba­rer wei­ter be­schleunigt.

McKibben: Trump wird als größter Elektro-Ver­käufer in die Ge­schichte ein­ge­hen! Wir schwim­men aller­dings wei­ter in unse­rem ei­ge­nen Öl. Aber die weg­wei­sen­den Ent­schei­dun­gen wer­den ohne­hin wo­an­ders ge­trof­fen: in Indien, Malay­sia oder Viet­nam. Leute auf der gan­zen Welt blicken Rich­tung Iran und ver­ste­hen, dass Son­nen­licht zwar 150 Mil­li­onen Kilo­me­ter auf die Erde wan­dern muss, aber nichts da­von durch die Straße von Hormus.

Beobachten wir gerade also das Ende der fos­si­len Brenn­stoffe in Echtzeit?

McKibben: Auf gewisse Weise ja. Zumin­dest ver­ste­hen wir, wie wir sie brem­sen kön­nen. Aber auch, wie die Öl-und Gas­indus­trie da­ge­gen­hält. Ihre Werk­zeuge sind Geld, Kor­rup­tion und Miss­in­for­ma­tion. Unse­re Stär­ken sind Organi­sa­tion, Infor­ma­tion -und seit kur­zem auch die Öko­no­mie. Die Klima­be­we­gung hat ihren Kampf 35 Jahre in einer Welt ge­führt, in der fos­si­le Brenn­stof­fe güns­tig und er­neuer­bare Ener­gie­quel­len rela­tiv teuer waren. Nun hat sich die Glei­chung um­ge­kehrt.

Es ist nicht das erste Mal, dass Men­schen die Sonne als Ener­gie­quelle nut­zen wol­len. In sei­nem Buch "Here Comes the Sun" (das bis­her nur auf Eng­lisch er­schie­nen ist) zeich­net Mc­Kibben auch die Ideen­ge­schichte die­ser Ener­gie­form nach: von Leo­nardo da Vinci, der be­reits da­rü­ber nach­dachte, wie man Son­nen­ener­gie "ernten" könnte.

Über die Bell Labs, die 1954 Chips aus Sili­kon da­für ent­wickel­ten. Län­der wie Pakis­tan, die vom Nach­barn China profi­tieren und inner­halb eines Jah­res ein Drit­tel ihres Strom­net­zes bau­ten. Und über die poli­ti­schen Maß­nahmen, die nun zu dem ge­wal­ti­gen Preis­sturz ge­führt ha­ben: Ein­speise­ta­rife in Deutsch­land, den An­stieg der Nach­frage, die wie­der­um eine Neu­aus­rich­tung Chinas be­werk­stel­ligt ha­ben. Die Heraus­for­de­run­gen heute sind also poli­ti­scher und büro­kra­ti­scher Natur -nicht tech­ni­scher. Mc­Kibben be­tont eines im­mer wie­der: Diese Ener­gie­form ist nicht nur für die Ein­däm­mung des Klima­wan­dels gut, son­dern auch äu­ßerst demo­kratisch.

Es scheint einen Link zwischen fossilen Brenn­stof­fen und autori­tä­ren Re­gimen zu ge­ben. Was wäre das poli­ti­sche Äqui­va­lent für Er­neuer­bare?

McKibben: Erneuerbare Energie­quel­len sind nicht die Garan­tie für an­dere, demo­kra­ti­sche Er­geb­nisse. Da­für müs­sen Sie nur nach China schauen. Aber sie ha­ben das Poten­zial zu ei­ner be­frei­en­den Kraft, weil sie de­zen­tral sind: Die meis­ten Orte der Welt haben kein Öl, kein Gas und keine Kohle. Aber je­der Mensch kann Solar­pa­neele in­stal­lieren. Auch wenn es Solar-Mil­liar­däre ge­ben wird, wer­den sie nie­mals so reich wer­den wie der König von Saudi-Arabien oder John D. Rocke­feller.

Wieso wird "Big Oil" nicht zu "Big Solar"?

McKibben: Der Chef des Energie­kon­zerns Exxon­Mobile hat es ver­gan­ge­nes Jahr selbst er­klärt: Sie wer­den nie in Er­neuer­bare in­ves­tie­ren, weil sie keine "über­durch­schnitt­li­chen Ren­diten für In­ves­to­ren" her­geben. Viele Öl­fir­men haben über Jahre flo­riert, weil sie ein Pro­dukt ha­ben, das sie hor­ten und ver­tei­len kön­nen, wie sie wol­len. Die Idee, dass die Son­ne jeder­zeit gra­tis Ener­gie er­zeu­gen kann, ist in ihren Au­gen das schlech­teste Ge­schäfts­modell al­ler Zei­ten. Also ver­su­chen sie es na­tür­lich zu stop­pen. Der Wan­del würde schnel­ler pas­sie­ren, könnte Exxon die Sonne besitzen.

Wie bremsen Ölfirmen den Ausbau?

McKibben: In Form von bezahlter Miss­in­for­ma­tion oder im Fal­le der USA, in­dem die­se Unter­neh­men ein­fach poli­ti­sche Par­teien kau­fen. Trump sagte öffent­lich, dass die Öl­indus­trie alles, was sie will, be­kommt - so­lange sie ihn mone­tär unter­stützt. Am Ende wa­ren es eine hal­be Mil­liarde in Form von Spen­den, Wer­bung und Lobbying.

Sie schreiben, dass sich Medien oft in den Ge­schich­ten rund um die "dunkle Seite" der Er­neuer­baren ver­lieren: die un­ethi­schen Arten, wie sel­tene Erden ab­ge­baut wer­den, etwa. Kann man all das wirk­lich ein­fach so bei­seite­schieben? 

McKibben: Es ist wichtig, dass wir darüber nach­den­ken und am Recyc­ling ar­beiten, aber es ist kein Grund, den Aus­bau zu ver­lang­samen. Neh­men wir das Bei­spiel Li­thium. Der Ab­bau ist proble­ma­tisch. Aber packt man es in eine Bat­te­rie, dann bleibt es dort für 25 Jahre. Baut man Kohle ab, dann ver­bren­nen wir sie so­fort - und müs­sen wie­der zu­rück in den Berg­bau. Es lan­det dann als CO2 in der Atmos­phäre. Das Rocky Moun­tain Insti­tut hat be­rech­net, dass die Menge an Berg­bau, die wir bis 2050 für Bat­te­rien brau­chen, klei­ner ist als die Men­ge an Kohle, die wir allei­ne ver­gan­ge­nes Jahr ab­ge­baut ha­ben. Und es gibt be­reits den Trend in China, statt Li­thium So­dium für die Bat­te­rien zu ver­wen­den -das fünft-oder sechst­häu­figste Ele­ment der Erdkruste.

Die Menschenrechtsverletzungen beim Abbau von Li­thium gibt es aber trotzdem.

McKibben: Das stimmt. Aber wir müssen sie in Rela­tion se­hen: Neun Mil­lio­nen Men­schen ster­ben pro Jahr an den Fol­gen von Ver­bren­nungs­mo­to­ren und dem Fein­staub, den sie ein­atmen. Es gibt aber nicht neun Mil­lio­nen Kobalt-oder Li­thium-Berg­leute auf der Welt.

Lange Zeit war McKibbens Aus­blick düs­ter. In sei­nem ers­ten Buch "Das Ende der Natur" ar­gu­men­tier­te er, dass es keine Na­tur mehr ohne men­schli­chen Ein­fluss gebe. Immer­hin haben Men­schen selbst die Atmos­phäre ver­ändert, der sich kein Lebe­we­sen ent­zie­hen kann. Schon da­mals plä­dierte er für eine neue Ver­bin­dung zur Natur, in der die Ge­sund­heit der nicht-mensch­li­chen Welt nicht mehr von der mensch­li­chen ge­trennt ge­sehen wird.

Auch heute glaubt McKibben daran. Und er weiß, wie man diese Bot­schaf­ten ver­packt. Manch­mal klingt das nach Slo­gans, die man schon oft ge­hört hat. Etwa wenn er sagt, dass wir ande­re Ge­schich­ten brau­chen, um die­se neue Welt auch in den Köp­fen der Men­schen ent­ste­hen zu las­sen. Doch es sind auch leichte, posi­ti­ve Bot­schaf­ten - die man gerne glaubt: "Jeder wird Bat­te­rien ha­ben, sie zu Mit­tag la­den und sein Haus in der Nacht mit ge­spei­cher­ter Son­nen­ener­gie be­trei­ben." Oder anders ge­sagt: Es könn­ten Zei­ten eines enor­men Ener­gie­über­schus­ses be­vor­stehen.

Erneuerbare heißen auch "alternative" Ener­gien. Soll­ten wir sie um­be­nennen?

McKibben: Wir müssen die Menschen über­zeugen, dass sie nicht nur eine "Alter­na­tive" sind, son­dern die Norm. 2024 wur­den 80 Pro­zent des welt­wei­ten Zu­wach­ses bei der Strom­er­zeu­gung durch er­neuer­bare Ener­gien und Kern­ener­gie be­reit­ge­stellt. Aber auch Um­welt­schüt­zer wie ich ha­ben lange nur über die Nach­teile ge­redet, sind sehr gut im Kriti­sieren ge­wesen. Das hat uns zu Spaß­ver­der­ber ge­macht -wir müs­sen auch lernen zu feiern!

Welche neuen Geschichten bräuchte es?

McKibben: Wir dürfen nicht aufhören, über die wis­sen­schaft­liche Not­wen­dig­keit und die wirt­schaft­li­chen Vort­eile dieser Trans­for­ma­tion zu spre­chen. In Spa­nien und an­deren EU-Län­dern, die auf Er­neuer­bare ge­setzt ha­ben, sind die Ener­gie­prei­se in den ver­gan­ge­nen Mo­naten nicht so stark ge­stie­gen wie anders­wo. Ein elek­tri­sches Auto ist nicht nur aus Umwelt­gründen bes­ser, es ist lei­ser, sanf­ter, bil­li­ger; ein Induk­tions­herd viel schnel­ler und ge­sün­der als ein Gas­ofen. Immer­hin er­kran­ken imm­er noch viele Kin­der an Asthma, wenn sie in ei­nem Haus mit Gas­herd le­ben. Ich bin froh, dass wir nach all die­sen Jah­ren schlech­ter Nach­rich­ten end­lich eine Waf­fe ge­gen die ärgs­ten Prob­leme ge­fun­den haben -und noch da­zu eine so schöne! Men­schen hat­ten schon im­mer eine tie­fe Ver­bin­dung zur Sonne. Sie bringt uns Licht, Wärme, lässt Pflan­zen wach­sen. Nicht um­sonst ha­ben ihr so viele Musi­ker Lie­der gewidmet.

Posted by Wilfried Allé Wednesday, June 10, 2026 11:01:00 AM Categories: Geographie, Umwelt Geowissenschaften Klimawandel Umwelt Umweltverschmutzung
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WIEN ORIGINELL 

Kuriose, bizarre und unglaubliche Orte der Stadt

von Harald Havas

ISBN: 9783902999597
Themen: Sport & Freizeit
Outdooraktivitäten
Erscheinungsdatum: 03.06.2025
Verlag: rittberger+knapp
Umfang: 176 Seiten
Format: Taschenbuch
Preis: € 18,50

Kurzbeschreibung des Verlags

Gut versteckt oder direkt vor der Nase: charmant, skurril, über­raschend – und im­mer ori­gi­nell! Die­ses Buch zeigt, was Reise­füh­rer oft ver­schweigen. Ver­ges­sen Sie Fia­ker und Pra­ter – jetzt wird’s wirk­lich span­nend! Die­ses Buch führt Sie zu Wiens ver­bor­gens­ten und kuri­oses­ten Or­ten: der ältes­ten unter­ir­di­schen Toi­let­ten­an­lage, einer run­den »Repu­blik«, dop­pel­ten Haus­num­mern, einem Haus­tor ohne Haus, ge­hei­men U-Bahn-Tun­neln, u.v.m. 30 außer­ge­wöhnl­iche Plätze – man­che sicht­bar, man­che bei­na­he ver­ges­sen, alle mit ver­blüf­fen­der Ge­schichte. Für Stadt­fla­neure, Neu­gie­rige und alle, die Wien ab­seits der Touris­ten­pfade mit völ­lig neuen Au­gen ent­decken wol­len. Ein Muss für alle, die das Un­er­war­tete lieben!
Leseprobe: https://online.flipbuilder.com/DorisRittberger/vyhx/

Posted by Wilfried Allé Saturday, June 6, 2026 10:04:00 AM Categories: Outdooraktivitäten Sport & Freizeit
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Katechon 

Zur Wiederkehr der politischen Theologie in der Gegenwart

von Volker Weiß

ISBN: 9783768198608
Themen: Gesellschaft und Sozialwissenschaften
Gesellschaft und Kultur, allgemein
Kontrolle, Privatsphäre und Sicherheit in der Gesellschaft
Soziale und ethische Themen
Erscheinungsdatum: 16.05.2026
Verlag: Cotta
Umfang: 128 Seiten
Format: Taschenbuch
Preis: € 18,50

Kurzbeschreibung des Verlags

Die Ideologie hinter Peter Thiel, Donald Trump und Co.

Vom Tech-Milliardär Peter Thiel bis hin zum russischen Ultranationalisten Alexander Dguin – neuerdings bemühen alle ein biblisches Motiv: den Katechon. Als geheimnisvolle Kraft kann er das Böse aufhalten, seine irdische Gestalt soll wahlweise Trump oder Putin sein. Über eine Figur der politischen Theologie, mit der alles begründet, aber nichts erklärt werden kann. 

Wer ist der »Katechon«? Seit einiger Zeit verkünden rechte und religiöse Fundamentalisten, dass eine höhere Kraft den »falschen Verheißungen« des »Antichristen« entgegentrete. Diese Verlockungen gaukeln als Werte einer demokratischen und aufgeklärten Gesellschaft den Menschen Sicherheit und Stabilität vor, während sie doch in Wahrheit nur Werke des Teufels sind. Mit dem Katechon als »Aufhalter« dieses Bösen wird nun eine theologische Figur in den Dienst genommen, um die Politik der extremen Rechten zu legitimieren. Der Essay geht den Spuren des »Katechon«-Motivs bis in die Schriften des deutschen Staatsrechtlers Carl Schmitt nach.

FALTER-Rezension

Die Angst vor Peter Thiel

Matthias Dusini in FALTER 23/2026 vom 03.06.2026 (S. 16)

Der Antifaschismus schlief. Am Eingang des Odeon Theaters prüften Polizisten die Besucher, die sich am vergangenen Freitag einfanden. Drinnen, in der Säulenhalle der ehemaligen Getreidebörse, sollte über den Auftritt eines Festwochen-Gastes diskutiert werden. Festivalchef Milo Rau wollte wissen, ob das Volk für oder gegen den Besuch des Tech-Oligarchen Peter Thiel sei. Hunderte Interessierte waren dem spontanen Aufruf Raus gefolgt, über das Für und Wider zu beraten.
Ein Besucher hielt ein Täfelchen in die Höhe, auf dem stand: "No platform for Techfascism!" Spontanen Applaus bekam eine ehemalige Politikerin, die vorschlug, man könne Thiel doch als Kunstaktion verhaften lassen. Ansonsten blieb es erstaunlich ruhig im Saal, eine Mehrheit der Rednerinnen und Redner plädierte sogar dafür, Thiel sprechen zu lassen. So vehement, dass Festwochen-Dramaturgin Sara Abbasi irgendwann der Kragen platzte: "Bitte mehr kritische Fragen. Wir sind uns zu einig." Er werde seine Entscheidung am folgenden Tag bekannt geben, ließ Rau wissen.

Mit Peter Thiel, Jahrgang 1967, kontaktierte das Festival eine der mächtigsten und umstrittensten Figuren der Gegenwart. Thiel steht für den Rechtsruck im Silicon Valley. Er verfügt über ein Milliardenvermögen, das er mit Investitionen in Unternehmen wie Facebook, PayPal und Palantir verdiente. Mit diesem Gewicht mischt er sich in die Politik ein. Ökonomisch bekämpft der Libertäre jede staatliche Regulierung. Politisch wiederum liebäugelt der bekennende Katholik mit der Abschaffung der Demokratie.

Warum der Contrarian, also Andersdenkende, der sich als radikaler Intellektueller inszeniert, überhaupt nach Wien eingeladen wurde, hat mit Thiels Bibellektüre zu tun. Die Festwochen widmen sich 2026 dem Einfluss von Religionen. Da wirkte es wie ein Coup, den düsteren US-Propheten zu präsentieren. Nun erweist sich der Treffer als Flop, der Raus bisher erfolgreiche Arbeit beschädigt.

In Vorlesungen vor ausgewähltem Publikum, zuletzt in Rom, interpretiert Thiel eine Stelle aus dem Neuen Testament. Darin geht es um den göttlichen Plan einer Wiederkunft Christi. Die frühen christlichen Gemeinden rechneten mit einer baldigen Erlösung. Der Apostel Paulus warnte jedoch davor, die Anzeichen falsch zu deuten.

Fake-Propheten würden Sicherheit und Frieden versprechen. Für Paulus war das eine List des Antichristen. Zugleich hatte Paulus eine frohe Botschaft für die Verunsicherten. Es gebe eine Kraft, die sich dem falschen Messias in den Weg stelle: den Katechon, das griechische Wort für Aufhalter. Seit Thiel mit dem Katechon daherkam, werden Feuilletonisten zu Bibelforschern. Die Rede vom Antichristen wirkt skurril, aber auch angsteinflößend. Denn der Tech-Oligarch verknüpft sie mit einer politischen Agenda.

Wie der deutsche Autor Volker Weiß in seinem neuen Buch "Katechon" schreibt, diente die Figur des Aufhalters stets dazu, irdische Herrschaft zu legitimieren. Das Heilige Römische Reich verstand sich als Schutzmacht der Christenheit. Heute rechtfertigt Thiel mit dem Aufhalter seine Unterstützung der US-Regierung.

Auf den Katechon stieß Thiel durch die Lektüre des katholisch geprägten Juristen Carl Schmitt (1888-1985), eines Parteigängers der Nationalsozialisten. Schmitt machte aus der Bibel eine Waffe gegen die in seinen Augen verderbliche moderne Welt. Liberalismus und Sozialismus formulierten das trügerische Versprechen von Sicherheit und Frieden, so Schmitt. Sie würden die Menschen einlullen und ihnen die Fähigkeit nehmen, zwischen Freund und Feind zu unterscheiden.

Dieser Deutung folgt Thiel. In düsteren Farben schildert er den Untergang. Er beschwört einen apokalyptischen Endkampf zwischen Gut und Böse im mythischen Armageddon. Bei ihm trägt der Antichrist die Züge eines "weltweiten Einheitsstaates", der die Individuen überwache und reguliere. Schmitts Freund-Feind-Logik folgend sucht Thiel nach Gegnern. Dazu gehört etwa die Aktivistin Greta Thunberg. Für ihn steht sie für technikfeindliche Regulierung. Thiels Theologie lehnt, reichlich unchristlich, die Segnungen des Sozialstaates ab. In einer Rede von 2009 brachte Thiel seine Vorbehalte auf den Punkt: "Freiheit und Demokratie sind nicht vereinbar."

Der springende Punkt in der Rede vom großen Widersacher ist die Rolle des Katechons. Bei Paulus bleibt sie vage. Schon die mittelalterlichen Theologen waren unsicher, ob damit ein Reich oder eine Person gemeint sei. Derzeit könnte es Donald Trump sein, den Thiel schon in dessen erster Kandidatur unterstützte. Oder US-Vizepräsident JD Vance, dessen Aufstieg Thiel finanziell ermöglichte. Es klinge nach dem Drehbuch eines James-Bond-Films, wenn ein steinreicher Unternehmer mit apokalyptischer Erwartung eine politische Haltung mit biblischen Bezügen untermauere, schreibt Volker Weiß. "Im Tech-Kapitalismus konnte das Szenario Realität werden."

Die Sprengkraft von Thiels Ansichten zeigt sich in einem größeren Zusammenhang. In rechten Zirkeln ist der Katechon nichts anderes als ein Codewort für die militante Ablehnung der Demokratie. In dieser extremen Denkschule fällt die Rolle des Aufhalters Russland zu. Putin habe die Aufgabe, die alte christliche Ordnung in einer Welt der Sünde zu verteidigen.

Radikale Nationalisten wie Alexander Dugin, der seinen Blog Katechon nennt, rufen gemeinsam mit der orthodoxen Kirche dazu auf, den "satanischen" Westen zu besiegen. Sie nennen den Angriff auf die Ukraine einen heiligen Krieg. Zu den Maßnahmen des Aufhalters könnte nach Ansicht des russischen Politologen Sergej Karaganov auch der Einsatz einer Atomwaffe gehören, einer "Armageddon-Waffe", gegen eine westliche Stadt. "Um allen, die die Angst vor der Hölle verloren haben, zu zeigen, dass diese existiert."

Bekannt wurde Thiel als genialer Investor, der auf Außenseiter setzte. Er finanzierte Facebook, als Anleger darin noch eine Uni-Kontaktbörse sahen. Anders als Donald Trump oder Elon Musk tritt Thiel nicht als Showman auf. Der leidenschaftliche Schachspieler zieht lieber im Hintergrund die Fäden. Wenn er doch einmal das Rampenlicht sucht, erlebt das Publikum einen verunsicherten Redner, der unter vielen Ähs abschweift.

Vor allem seine Beteiligung an Palantir, das auf die Verwertung personenbezogener Daten spezialisiert ist, machte Thiel zum Feindbild der Linken. Das lange defizitäre Unternehmen unterstützt US-Behörden beim Aufspüren von Migranten ohne Papiere oder liefert der israelischen Armee Informationen für Ziele in Gaza.

Den Kritikern reicht der Begriff Autoritarismus nicht aus, um zu beschreiben, was in Trump-Amerika derzeit geschieht: die willkürliche Deportation von Migranten, der Personenkult um den Präsidenten und die Einschränkung von Frauen-und Transgender-Rechten. Sie nennen das Faschismus.

Für sie ist es unvorstellbar, dass Thiel bei einem Festival auftritt, das für Diversität und Opposition steht. Darf man jemandem, der mit biblischer Rhetorik die Zerstörung der Demokratie fordert, das Mikrofon überreichen?

Festwochen-Chef Milo Rau versucht, politische Brisanz in die Kunst zu holen. Dafür entwickelte er Formate, die juristische und politische Institutionen nachahmen. Anfang des Jahres inszenierte er am Hamburger Thalia Theater einen "Prozess gegen Deutschland". Ein Gremium sollte prüfen, ob die rechte Partei Alternative für Deutschland verboten werden solle. Kläger und Verteidiger traten auf. Experten argumentierten dafür und dagegen. Der Prozess fand enorme Resonanz. Ganz Deutschland diskutierte, wie ein Rechtsstaat mit Feinden der Demokratie umgehen soll.

Einige Kommentatoren kritisierten, dass Rau AfD-Vertreter wie die frühere Vorsitzende Frauke Petry sprechen ließ. So würden rechtsextreme Inhalte normalisiert, lautete der Vorwurf. Auch bei den Wiener Festwochen inszeniert Rau Prozesse. 2024 ging es um den Vorwurf, die Regierung habe im Zuge der Covid-19-Pandemie zu stark in Grundrechte eingegriffen. Heuer organisiert Rau in der "Republic of Gods" Glaubenstribunale. Dort geht es um den politischen Missbrauch von Religionen.

Der Theatermacher stellt linke Wahrheiten infrage. Das Dogma "Nicht mit Rechten reden" hat an Überzeugungskraft verloren. Der Boykott konnte den Aufstieg von MAGA, FPÖ und AfD nicht stoppen. Die Verweigerung erwies sich auch deshalb als stumpfe Waffe, weil Demagogen sich in Telegram-Kanälen und Podcasts ihre eigene Öffentlichkeit schufen. So geschickt Rau bisher Kontroversen anzettelte, so hilflos wirkt er als Regisseur der Thiel-Show.

Mit einem knappen Statement sagte Rau den Hauptact des Festivals ab. Obwohl sich sowohl der Publikumsbeirat als auch der Expertenbeirat der Festwochen für die Einladung ausgesprochen hatten, zog Rau den Stecker. Immer mehr Beteiligte des künstlerischen Programms hätten ihre Teilnahme abgesagt, heißt es in dem Schreiben. Daher die Entscheidung: "Thiel ja, aber nicht um jeden Preis."

Die Festwochen ziehen ein junges, politisch waches Publikum an, das in Thiel nicht den Aufhalter, sondern den Beelzebub sieht. "Verdammt jämmerlich dieser asoziale Milliardär", schrieb ein User auf Facebook. "Psychos unter sich", ätzte ein anderer. Erste Teilnehmer zogen Konsequenzen. Der französische Soziologe Geoffroy de Lagasnerie sollte über "Kunst und Widerstand" sprechen und sagte ab. Man könne nicht Faschismus bekämpfen und zugleich einen seiner aktivsten Vertreter legitimieren, schrieb de Lagasnerie.

Um den Protest aufzufangen, ließ Rau im Odeon Theater über Pro und Contra diskutieren. Auf dem Podium saß neben Rau auch der Innsbrucker Theologe Wolfgang Palaver, der Thiel seit dem Studium in Stanford kennt. Er war für den 7. Juni im Hotel Intercontinental als Gesprächspartner des Tech-Denkers vorgesehen. Palaver kündigte an, Thiels "gefährliche Vermischung von Politik und Religion" zu kritisieren.

Die Politikwissenschaftlerin Monika Mokre gab Contra: "Thiels Theologie ist nicht das Problem, sondern dass er mit seinem Geld die Politik beeinflusst." Rau schilderte das Verfahren. Mehrere Experten würden Thiels Ausführungen kommentieren. Der Stargast habe auch Fragen aus dem Publikum akzeptiert.

Doch ganz so free speech war das geplante Event nicht. Ursprünglich wollte Rau, dass der Falter die Debatte moderiert, aber das lehnte Thiel ab. Der Falter sei nicht neutral genug, schrieb er unter anderem an Chefredakteur Florian Klenk. Eine amüsante Pointe in dieser Posse um Redefreiheit. Natürlich handelt es sich bei Palaver auch nicht um eine kritische Instanz, sondern einen alten Kumpel, der von Thiel zum Abendessen nach Los Angeles eingeflogen wird.

Woher kam also Raus Rückzieher? Offenbar rollte hinter den Kulissen bereits eine Boykottwelle, die nicht nur Rau selbst, sondern dem ganzen Festival geschadet hätte, nach dem Motto: "Fahrt nicht zu den Wiener Faschismuswochen!"

Der Umfaller zeichnete sich schon in einem Gespräch ab, das der Falter am 28. Mai mit der Wiener Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) führte. Darin ging Kaup-Hasler auf Distanz zu ihrem einstigen Liebling Rau, den sie 2024 nach Wien geholt hatte: "Als Intendantin würde ich solchen Faschisten keine Plattform bieten, denn eine solche Einladung muss sehr bedacht eingebettet werden."

Die Absage Thiels entlarvt Raus "Republik" als Farce. Der Intendant verschanzt sich hinter Beiräten und Beratungsgremien. Zuerst schickt er den linksliberalen Falter vor, um die erwartbare Empörung abzulenken. Am Ende knickt er vor einem angeblichen Shitstorm ein, dessen Urheber anonym bleiben.

Es sei blauäugig, Demagogen entzaubern zu wollen, warnte Kaup-Hasler. Auf die Frage, ob ein berühmter Mann wie Thiel vom Bürgermeister empfangen würde, antwortete sie: "Auf keinen Fall. Das Rathaus besteht auf Maximalabstand." Möglicherweise bekreuzigte sich ein Erzengel im Rathaus, als der Leibhaftige aus Trumpistan aufgehalten wurde.

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